Zunft Fluntern

Martinimahl der Zunft Fluntern 2007


Nach dem traditionellen Begrüssungsapéro im Foyer der Zunftstube eröffnete der Zunftmeister das Martinimahl, welches zum 50. Mal im Kunsthaus gefeiert wurde. Das Martinimahl werde dieses Jahr zu einem beachtlichen Teil dem Kanton Solothurn gewidmet, dem Gastkanton am Sechseläuten 2008.



Martinirede des Zunftmeisters


Der Zunftmeister gedachte dem terroristischen Massaker vor fast genau 10 Jahren am 17. November 1997 in Luxor, welches viele Familien in tiefes Leid gestürtzt hatte. Luxor hatte damals eine Illusion zerstört, dass die Schweiz durch ihre Neutralität von den grossen Entwicklung des Weltgeschehens, wie zum Beispiel der Fanatisierung im Islam, verschont bleibe. Es gebe verschiedene Gründe, weshalb im Namen des Islam, dessen Botschaft eigentlich Toleranz und Friedfertigkeit sei, unschuldige Personen getötet würden. Ein Problem sei sicher, dass die islamischen Staaten beim Aufstieg der westlichen Kulturen (vor allem der USA) an weltpolitischer Bedeutung verloren hätten. Lange Zeit seien viele der Überzeugung gewesen, Anpassung sei die richtige Reaktion. Doch immer mehr dieser Staaten hätten sich ins Gegenteil geflüchtet, der Westen wurde Inbegriff des Bösen. Ein Teil der islamischen Welt suche nun den Ausweg in der agressiven Attacke des Westens. Diese Bedrohung zwinge uns zu einer Selbstbesinnung. „Wofür kämpfen wir? Kämpfen müssen wir, weil die Fanatiker alles, was lebenswert ist, bedrohen. Das muss uns Luxor lehren“.

Ehrengast Regierungsrat Christian Wanner, Finanzdirektor des Kantons Solothurn


Der Zunftmeister hiess den Ehrengast als Vertreter der Solothurner FDP herzlich willkommen. Christian Wanner sei ein erfolgreicher Politiker. Als Bauer habe er jammern gelernt. Diese Fähigkeit habe ihm geholfen, die kantonalen Finanzen zu sanieren.

Der Ehrengast bedankte sich einleitend für die Ehre, am Martinimahl der Zunft Fluntern teilnehmen zu können. Er habe darauf verzichtet, eine Rede zu verfassen. Er habe sich gesagt, er höre gut zu, was vor ihm gesagt werde. Es sei nun soviel Bedenkenswertes gesagt worden, dass er das Gesagte noch etwas vertiefen wolle. Er sei ein Politiker der einen Fehlstart hingelegt habe. In den Gemeinderat sei er das erste Mal nicht gewählt worden. Beim zweiten Anlauf habe es geklappt, und dann es sei aufwärts gegangen. Ein Berner Ständertat habe ihm damals gesagt: „Du darfst in der Schweizer Politik schon aufwärts streben, es darf’s aber niemand merken. Sobald es jemand merkt, ist es fertig“. Er könnte schon noch viel sagen, aber dann würde er riskieren, dass die Einladung zum Sechseläuten 2008 rückgängig gemacht würde.

Ehrengast Hans-Peter Stutz, Zunftmeister der Zunft Höngg, Begleiter: Beisitzer Walter Zweifel


Der Fluntermer Zunftmeister freute sich, seinen Höngger Mitmeister mit seinem Begleiter Walter Zweifel auf der Fluntermer Stube begrüssen du können.
In seiner Rede betonte der Ehrengast das Gemeinsame zwischen Fluntern und Höngg, nämlich den Status als Quartierzunft. In beiden Zünften würden Zünfter im Quartier wohnen, in Höngg etwas mehr als in Fluntern. Auch die beiden Zunftmeister hätten etwas Gemeinsames, sie seien beide Lehrer. Felix Müller sei aber geschäftstüchtiger als er selbst, welcher Primarlehrer geworden und geblieben sei. Felix Müller sei Mittelschullehrer geworden und habe heute Erfolg als Chefredaktor der NZZ am Sonntag. „Die ganze Woche chrampfe und jeden Sonntag ein Höhepunkt, eine beachtliche Leistung“. Dann folgte das Unvermeidliche, die Überleitung zum Thema Fledermäuse. Als Ehrengast habe er zwei Geschenke mitgebracht, zwei von ihm selber geschriebene Bücher zum Thema Fledermäuse. Ein wissenschaftliches, das nehme er wieder mit nach Hause, und ein zweites, ein Bilderbuch für Kinder in englischer Sprache, das schenke er ihm.

Ehrengast Peter Gisiger, alt Stadtschreiber der Stadt Solothurn


Peter Gisiger sei anerkannterweise der beste Kenner der Stadt Solothurn, erklärte der Zunftmeister bei der Begrüssung des nächsten Ehrengastes. Ein besonderer Dank gebühre ihm, da die Stadt Solothurn dank seiner Intervention als grosszügige Geste das Dessert, nämlich Solothurner Haselnusstorten, gespendet habe.

Herr Gisiger begann seine Rede mit einem Lob auf Solothurn. Die Stadt sei klein, aber fein. Erwähnenswert sei auch die „fünfte Jahreszeit“, wie die Fasnacht in Solothurn genannt werde. Wie beim Sechseläuten werde bei der Fasnacht am Schluss ein Böögg verbrannt. Der Weissenstein, die Aare und die Verenaschlucht gehörten seit jeher zu den Naherholungsgebieten von Solothurn. Schon vor 1700 Jahren seien die Solothurner zur heiligen Verena gepilgert, welche in einer Höhle mit Öllämpchen gelebt habe. Die heutigen Solothurner würden in die Vorstadt südlich der Aare pilgern, weil dort Häuser mit roten Lämpchen gekennzeichnet seien.

Solothurn werde auch Ambassadorenstadt genannt, da 1530 bis 1792 der französiche Ambassador in Solothurn residiert habe. Gründe dafür seien hauptsächlich der Katholizismus, welcher im Gegensatz zur reformierten Kirche das Söldnerwesen zugelassen habe, die engen Beziehungen zur Westschweiz sowie die seit den Burgunderkriegen unerschütterliche Treue Solothurns zu Frankreich. Reiche Söldnerführer errichteten nach ihrer Heimkehr neue Herrschaftshäuser. Aus diesem Grund werde Solothurn die schönste Barockstadt der Schweiz genannt.

Gesellenshow


Mit einem Ratespiel à la „Wer wird Millionär“, viel Phantasie, Witz und Schlagfertigkeit suchten die Gesellen nach dem Fluntermer Superzünfter. Der Quizmaster und Alt-Obergeselle Jan Iselin stellte die Fragen humorvoll locker wie die grossen Vorbilder vom Fernsehen. Als erster Kandidat wurde Marco Zangger auserkoren. Mit Bravour beantwortete dieser die mehr oder weniger seriösen Fragen richtig und wurde verdientermassen Fluntermer Superzünfter. Der zweite Kandidat, der Ehrengast Zunftmeister Höngg, schlug sich fast so gut wie der erste und scheiterte doch noch an der zweitletzten Frage. Besonderen Dank für die sehr gelungene Show gebührt dem Gesellenvater Gérard Eyb und dem Stubenmeister Gion Hug, welche die Gesellen in der Vorbereitung tatkräftig unterstützt hatten.

Abschluss

Um Mitternacht erklärte der Zunftmeister ein sehr schönes, unterhaltsames Martinimahl für beendet. Als Mitternachtsimbiss genossen die noch Anwesenden Bier, Fleischkäse und Bürli.

 

16. Januar 2008 / André Oprecht, Chronist

 
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