Martinimahl 2009
Am Samstag, 7. November 2009, trafen sich die Fluntermer Zöifter, Ehrengäste und Gäste sowie die Zunftgesellen zum traditionellen Martinimahl. Als Ehrengast war Dr. Urs Linsi, Zunftmeister der Zunft zur Hard, mit seinem Begleiter, Zunftschreiber Felix Diem, eingeladen. Der zweite ebenfalls eingeladene Ehrengast, Nationalrat Edi Engelberger, Vertreter des Gastkantons Nidwalden am Sechseläutens 2010, musste sich kurzfristig wegen Krankheit entschuldigen. Nach der traditionellen Begrüssung gratulierte der Fluntermer Zunftmeister Dr. Felix Müller zu diversen Geburtstagen und Zunftjubiläen von Fluntermer Zöiftern.
Martinirede des Zunftmeisters
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Einleitend äusserte sich der Zunftmeister zur Wahl des Themas. Themen aus der Zürcher Tagespolitik wären genügend vorhanden. Zum Beispiel die Frage der Anzahl Parkplätze in der Zürcher Innenstadt oder der nicht so gute Leistungsausweis der abtretenden Regierungsrätin Rita Fuhrer. Ein drittes Thema wäre die bevorstehende Ersatzwahl im Regierungsrat mit folgender Auswahl: Der Paradiesvogel mit dem unstabilen Wohnsitz oder der zuverlässige Kandidat aus Wädenswil. Mit einer Wahl des Kandidaten Jositsch und unter Berücksichtigung der schwankenden Position des CVP-Regierungsrates würde die kantonale Zürcher Regierung endgültig instabil.
Das Wichtigste im Stadtzürcher Leben sei aber nicht die Politik, sondern das Sechseläuten. Da gebe es etwas sehr Erfreuliches zu berichten. Das Sechseläuten 2010 finde wieder auf der traditionellen Route statt, und das sei kein Scherz.
Unser Zunftmeister widmete sich darauf dem Thema Sprache. Diese unterscheide ja den Menschen von den anderen Lebewesen. Weltweit gebe es Hunderte von Sprachen. Diese Sprachen würden in Gruppen und Untergruppen eingeteilt. Das Fluntermer-Züritüütsch gehöre zu folgender Sprachgruppe: „Deutschsprachige und Untergruppe Alemannischer Dialekt“. Innerhalb dieses Dialektes gebe es das Hochallemannische, und das Züritüütsch sei eine Untergruppe darin. Es gebe einen Fluntermer Zöifter, für den diese Systematik nicht genüge. Der Urner Carlo Schenardi spreche nämlich einen höchstallemannischen Dialekt.
Im Folgenden, bemerkte der Zunftmeister, wolle er sich mit dem Züritüütsch befassen. Dieses könne in mehrere Untergruppen aufgeteilt werden: Stadt- und Seemundart, Oberland, Unterland und Weinland. Der Winterthurer Dialekt sei von der Ostschweiz beeinflusst. Er sei zwar ein Winterthurer, sein Dialekt sei aber von seiner Aargauer Mutter beeinflusst. Der Dialekt im Knonaueramt habe Elemente des Zuger und Freiämter Dialektes. Der Zunftmeister erklärte, dass das Züritüütsch weicher, melodischer und abwechslungsreicher sei als das heutige Hochdeutsch. Anhand verschiedener bekannter und weniger geläufige Wörter und Begriffe belegte er seine Ansicht. Verschiedene Merkmale des Züritüütsch seien durch die Medien, vor allem durch das Fernsehen, gefährdet. „Aus Geissle wird Peitsche, aus Guggummere wird Gurke, aus Ross wird Pferd, aus Anke wird Butter, aus Stäge wird Treppe, aus Bölle wird Zwiebel“, um nur einige Beispiele zu nennen.
"D Mundart erlaubt öis ä so z Rede wie‘n öis dä Schnabel gwachse isch. D Mundart chunnt vo inne use, isch dä direktischti Draht zu öisem Innerschte. Äs isch die Spraach, wo mir dänked und füühled, wo mir träumed und schimpfed, wo mir die erschte und die letschte Wort tüend rede. S Züritüütsch isch nöd ä spektakuläri Sprach, nöd so uuffellig wies Walliser Tüütsch. Äs isch ä Spraach, dere ihre Riichtum mer mues ä chli entdecke. Aber dänn stellt mer fescht, wie abwechsligsriich, ächt, urtümlich, chräftig, gmögig, wie authentisch und direkt die Spraach chan sii. S‘Züritüütsch schafft Heimät. Für das han ich Ihne welle hüt Aabig d Auge uuftue. Träged mer doch öisere Sprach meh Sorg, Stärne Chaib!"
Konzert des Fluntermer Spiels, der Stadtmusik Kloten
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Unter der Stabführung von Roman Walt präsentierte das Zunftspiel sein Können mit verschiedenen Stücken bis zur Hymne der Zürcher Zünfte, dem Sechseläutenmarsch. Unterbrochen wurde der Bogen durch die rassige Tambourengruppe, welche die Zuhörer mit rhythmischen Kabinettstücken bestens unterhielt.
Ehrengast Dr. Urs Linsi, Zunftmeister der Zunft Hard mit Begleiter Felix Diem, Zunftschreiber
Der Zunftmeister begrüsste den Ehrengast und seinen Begleiter auf der Fluntermer Stube. Urs Linsi habe ja vor kurzem die schwierige Aufgabe des CEO des Fussballclubs Grasshopper übernommen, eine Mannschaft ohne Punkte in der Meisterschaft und ohne Geld für den Transfermarkt. Als Geschenk von der Zunft Fluntern könne er ihm daher BEA-Punkte und Schoggigeld überreichen. Aber er sei ja Spezialist für Sanierungen. Das überrasche aber nicht, habe er doch nach dem Studium an der HSG sein Handwerk beim Fluntermer Zöifter Kurt Widmer gelernt. Unter anderem habe er die CS-Filialen saniert und die FIFA-Finanzen geordnet. "Da kommt ja der Verdacht auf, dass auch die Zunft Hard ein Sanierungsfall sei, und du nur darum Zunftmeister geworden bist." Felix Diem ist heute, nach der Tätigkeit in der elterlichen Firma Berater geworden. „Das bedeutet wahrscheinlich aktives Pensionistendasein“.
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Der Ehrengast bedankte sich für die Ehre, bei der Zunft Fluntern eigeladen zu sein. „Mein Begleiter und ich sind mit gemischten Gefühlen vom Rotlichtmilieu im Chreis Cheib nach Fluntern hinauf gekommen. Die Fluntermer besuchen uns auch manchmal, zu einem Besuch auf der Zunft Hard, bei einer Vorladung im Bezirksgericht - oder wenn sie eine Entladung brauchen.“
Fluntern sei ein etwas komisches Quartier, es habe sogar ein eigenes Affenhaus und schräg vis-à-vis die bescheidene Bleibe des Weltfussballs. Seit der Zürcher Verkehr notorisch verstopft sei, wimmle es in den Strassen von Affen, dummen Gänsen, Hornochsen, Wildschweinen oder Mondkälbern. Dieser Zoo auf Zürichs Strassen und Kreuzungen sei mit dem Fluntermer Quartierzoo absolut vergleichbar.
Nach einem längeren Exkurs zur überdurchschnittlichen Intelligenz der Fluntermer kam der Ehrengast zu folgendem Schluss: „Es sind nicht die vielen Studierenden an ETH und Uni, welche den Intelligenzquotienten in Fluntern über den städtischen Durchschnitt heben, sondern die vielen überdurchschnittlich intelligenten Fluntermer-Zöifter“. Einen speziell hohen Intelligenzquotienten müsse der Zunftmeister Felix Müller haben, sitze er doch auf dem Chefredaktorensessel der „NZZ am Sonntag“. Dies, obwohl bekannt sei, dass immer weniger Leute Zeitung lesen. Früher hätten Zeitungen der Information gedient, heute würden sie vor allem als Sichtschutz beim Frühstück benutzt. Es sei auch erstaunlich, dass der Fluntermer Zunftmeister Journalist geworden sei, ein Beruf mit nicht gerade dem besten Ruf. Journalisten seien ja Menschen, welche nachher alles vorher gewusst hätten. Der Berufsstand mit dem höchsten Vertrauen seien die Feuerwehrleute. Journalisten kämen an 16. Stelle. Hinter ihnen kommen nur noch Fussballspieler, Gewerkschaftsführer, Autoverkäufer und zuletzt die Politiker.
In seiner zöiftigen Gegenrede begründete der Fluntermer Zunftmeister kurz seine seinerzeitige Berufswahl. Er habe die Wahl zwischen zwei Berufen gehabt, Präsident eines Fussballclubs oder Journalist, der Entscheid sei ihm sehr leicht gefallen.
20 Jahre Fluntermer Gesellenshow
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Die Gesellen realisierten zusammen mit Gesellenvater Gérard Eyb die Jubiläums-Gesellenshow. Nach 20 Jahren traten, wie damals in der ersten Show von 1990 wieder die Zürcher Majoretten auf. Der Obergeselle Florian Hunsperger begrüsste die damaligen Gesellen Daniel Brunner, Daniel Fritsch, Thomas Gisler, Robi Reif, Thomas Rosenberger, Beni Stäger und Christoph Widmer. Sie alle hatten in der ersten Gesellenshow mitgewirkt.
Die Jubiläums-Show orientierte sich am Modell der Fernsehsendung "Deal or no deal", wobei anstelle der Money-Girls die adretten Zürcher Majoretten mitwirkten, welche beim Erscheinen auf der Bühne gleich mit einem Showtanz begeisterten. Der Ehrengast Dr. Urs Linsi wurde als Kandidat für die Show bestimmt. Als Preise waren "Azelle Bölle schelle"-Reime zu lokal-, national- oder weltpolitischen Themen zu gewinnen, vorgetragen von den heutigen Gesellen. Der Hauptpreis war ein Showblock der Zürcher Majoretten gemeinsam mit den Zunftgesellen, getanzt zur Marschmusik eines Ensembles der Zunftmusik, wahrlich ein Ohren- und Augenschmaus. Zum Abschluss der Show marschierten alle, die Majorettenstäbe mehr oder weniger gekonnt wirbelnd, zum Vergnügen der Anwesenden durch die Stube, und als Zugabe „grad-no-mol“. Ein letzter Höhepunkt zum Abschluss des offiziellen Teils des Martinimahls.
André Oprecht, Chronist

















