Sechseläuten 2010
Rede des Zunftmeisters
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Es sei doch schön, begann der Zunftmeister seine Rede, dass alle Anwesenden festlich und fröhlich gestimmt das Sechseläuten 2010 feiern könnten. „Das ist schon fast ein Wunder, wenn man die Arena im Fernsehen schaut und den Politikern zuhört.“ Es dominieren die Themen Krise, Untergang des Finanzplatzes, Unfähigkeit des Bundesrates, Arbeitslosigkeit - als ob die Schweiz kurz vor dem Untergang stände.
Natürlich hätten in den vergangenen zwei bis drei Jahren verschiedene negative Ereignisse und Entwicklungen stattgefunden. Finanzkrise, Fast-Kollaps der Grossbanken, Angriffe auf den Schweizer Finanzplatz von allen Seiten, die Schweiz auf schwarzen oder grauen Listen etc. Man könnte tatsächlich zum Schluss kommen, der Schweiz gehe es elend schlecht.
Ein Blick auf grössere Zusammenhänge zeige aber ein anderes Bild: „Der starke Franken, eine leistungsfähige Wirtschaft, ein unabhängiges Rechtssystem, wachsende Bevölkerung, Zuwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte, z.B. Handwerker, Hotelpersonal oder Ärzte und Professoren.“ Erfolg erzeuge Neid. Den Neid jener, denen es schlechter gehe. Die Regierungen in Paris, Rom und Berlin gaukelten ihrer Bevölkerung vor, es würde ihnen viel besser gehen, wenn es keine Fluchtgelder gäbe. Mit diesen Behauptungen würden die Regierungen von der eigenen, hausgemachten und riesigen Staatsverschuldung ablenken.
Kurz gesagt, die Schweiz sei kein Sanierungsfall, sondern ein Erfolgsmodell. Sie stehe vor der Chance, vom kommenden Aufschwung überproportional zu profitieren. „Also lueged mer doch ufs Positive, lueged mer druuf, wievil besser es öisem Land gahd als dä Nachbarländer. Und freued mir öis über dä Erfolg vo dä Schwiiz – speziell am hütige Feschttag. Ich wünsche ihne allne äs schöns Sächsilüüte!“
Ehrengast Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung.
Die Familie Odier sei früher im Textilhandel tätig gewesen, begann der Zunftmeister seine Vorstellung des Ehrengastes. „Bei diesem Geschäft sind Finanzierungen und Kredite wichtige Erfolgsfaktoren gewesen, deshalb hat die Familie in das Bankgeschäft gewechselt und 1776 in Genf eine eigene Bank gegründet. Die heutige Bank „Lombard Odier Darier Hentsch“, ist eine klassische Privatbank und durch verschiedene Zusammenschlüsse entstanden. Patrick Odier ist der „Senior Partner“. Als stellvertretender Vorsitzender von Economiesuisse ist er mindestens einen Tag pro Woche in Zürich. Seit 2009 ist er auch Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung“.
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Ehrengast Michael Ambühl, Staatssekretär im Finanzdepartement
Der zweite Ehrengast, so der Zunftmeister, sei ein untypischen Berner. Nicht langsam und bedächtig, sondern schnell, beredt und wendig, ohne aber unvorsichtig zu sein. Er sei der beste Diplomat, über den die Schweiz zurzeit verfüge. Michael Ambühl habe verschiedene wichtige internationale Abkommen ausgehandelt, so das Zinsbesteuerungsabkommen oder die Personenfreizügigkeit. Auch bei der Vermittlung zwischen Armenien und der Türkei habe er eine wichtige Rolle gespielt. Nun hoffen alle, dass Michael Ambühl in seiner neuen Funktion als Staatssekretär für internationale Finanzfragen gute Lösungen finde und aushandle; sowohl in Bezug auf den ausländischen Druck auf den Finanzplatz Schweiz als auch beim Thema Steuerflucht.
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Zug der Zünfte
An 21. Stelle marschierte die Zunft Fluntern auf der traditionellen Route durch die geschmückte Stadt Zürich. Rechtzeitig am flächenmässig reduzierten Sechseläutenplatz angekommen, erlebten die Zöifter das knallende Ende des Winters. Um 18 Uhr und 13 Minuten verabschiedete sich der Böögg und machte dem Frühling Platz.
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Essen, Musik und Auszug
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Nach dem sehr guten Abendessen gab die Stadtmusik Kloten ein Konzert mit vielen schmissigen Melodien. Nach dem Sechseläutenmarsch räumte die Zunft Fluntern die Stube und begab sich, marschierend durch die schöne Zürcher Altstadt, auf den Auszug.
Zunft zur Letzi, Sprecher Flo Schweri
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Während seiner Rede überreichte der Sprecher dem Zunftmeister der Zunft zur Letzi fünf Feuersteine mit je einem zöiftgen Vers, alle schön eingepackt. Drei dieser kleinen Geschenke mit den jeweiligen Versen seien in dieser Zusammenfassung erwähnt: „De erschti Zöifter vornedra, sött e gschiidi Bire ha“. Das müsste für den Zunftmeister, welcher ja auch Zahnarzt sei, stimmen. Seit dem Jahr 2000 erst sei Urs Weilenmann bei der Letzi zöiftig - und heute schon Zunftmeister. Das ungestüme Streben nach oben scheine in seinem Blut zu liegen. Da müsse man dem Zunftmeister raten: „Weile-Mann.“
„Wänn’t bore chasch, dann häsch guet lache, chasch e gfröiti Rächnig mache.“ Als Medizinmann müsste der Letzi-Zunftmeister eigentlich einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. Dies sei für einen Zahnarzt, welcher sich ausschliesslich mit dem Kopf befasse, schwierig. Vielleicht würde eine Praxisgemeinschaft mit dem Fluntermer Zöifter und Orthopäden Hanspeter Kundert das Fundament dazu schaffen.
„Wänn ich d‘UBS würd bränne la, wär si nachher nüme da.“ Während Fluntern ein schönes Quartier sei, sei das UBS-Gebäude im Quartier Altstetten doch eher ein störendes Element. Zwecks Beseitigung dieses Missstands könnte die Feuerwehrkompanie 31 in der Nähe der UBS ein Grillfest feiern. Und der Herr Zunftmeister könnte, wenn alle Feuerwehrmänner betrunken sind, die UBS in Brand stecken. Die UBS müsste ihre Probleme in dieser Nacht für einmal ohne externe Hilfe lösen.
Zunft St. Niklaus, Sprecher Stefan Fritz
Die Geschichte der Zunft St. Niklaus sei schnell erzählt, begann der Fluntermer Sprecher seine Rede. „Im 13. Jahrhundert ist Niklaus von dem Sumpf aus dem damals sumpfigen Glatttal nach Rom gepilgert. Der Papst hat während der Audienz am Niklaus grossen Gefallen gefunden und ihn heiliggesprochen.“ Zurück im Glatttal, habe der nun heilige Niklaus von dem Sumpf die Zunft St. Niklaus gegründet.
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Zunft Hottingen, Sprecher Hansueli Schweri
Nach einem zöiftig-literarischen Prolog in perfektem Versmass kam der Fluntermer Sprecher auf den Hottinger Zunftmeister zu sprechen. Er freue sich ausserordentlich, den Hottinger Zunftmeister auf der Stube zu finden, er sei ja schliesslich am Zügeln. Der ganze Haushalt inklusive das zöiftige Wissen sei in Kisten verpackt. Er wisse nur nicht mehr, was in welcher Kiste sei. Dies sei für ihn als Zunftmeister am Sechseläuten ein Erschwernis, er habe bei all seinen Reden und Repliken nur das wenige, was er im Kopf habe, verfügbar.
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Besuche auf der Fluntermer Stube
Während die Fluntermer auf dem Auszug waren, wartete der Fluntermer Zunftmeister mit seinen Stubenhockern auf die besuchenden Zünfte, in der Hoffnung auf drei zöiftige Reden. Es kamen die Zunft Hottingen mit dem Sprecher Dr. René Teller, die Zunft zur Zimmerleuten mit dem Sprecher Adrian Hermann und zuletzt die Zunft Riesbach mit dem Sprecher Dr. Alkibiadus Goridis. Die Hoffnung auf wirklich zöiftige Reden wurde nur teilweise erfüllt.
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Schlusskonzert
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Nach der Rückkehr des Fluntermer Auszuges in die heimische Stube sanken die Zöifter erschöpft auf ihre Stühle, während die Zunftmusik ohne sicht- und hörbare Ermüdungserscheinigungen ein Schlusskonzert spielte. Besonders Gefallen fand die Nummer - im Stil von - „Rockin‘ Rockie Rocket“, ein Schlagzeug-Solo ohne Instrumente, nur mit der Stimme imitiert. Natürlich endete auch dieses Konzert mit dem Sechseläutenmarsch.
Anschliessend erklärte der Zunftmeister das sehr schöne Sechseläuten 2010 für beendet.
André Oprecht / Chronist




















