Zunft Fluntern

Nachsechseläuten 2011 – „Züriwasser“

 

Wie vielfältig und reichhaltig Zürichs Beziehung zum Wasser ist, zeigte das diesjährige Nachsechseläuten in eindrücklicher Weise. Der Tag brachte die Zünfter in Kontakt mit Rohrbrüchen, Wasserflöhen, einem Ruderolympiasieger und Fischknusperli, die man einfach probiert haben muss.

Bei schönstem Wetter trafen wir uns zum diesjährigen Nachsechseläuten bei der Allmend Fluntern. Zur selben Zeit fand dort die alljährliche Sola-Staffette des Akademischen Sportverbandes statt, sodass sich manch ein Zünfter wohl fragte, zu welch anstrengendem Programm man hier wohl angetreten war.
Glücklicherweise mussten wir dann aber nach dem Begrüssungsapéro nicht ins Lauf-Tenue wechseln, sondern konnten gemütlich in einen der bereitstehenden Cars steigen, der uns zur Zentrale der städtischen Wasserversorgung im Hardhof brachte.

Dort verbrachten wir zwei äusserst informative Stunden. Wer weiss schon, dass wir in Zürich über 1550 km Rohrleitungen verfügen, dass es in diesem Netz durchschnittlich zwei Rohrbrüche am Tag gibt, dass es in Zürich rund 1200 Brunnen gibt, dass unser Wasser eine Mischung aus Quellwasser, Grundwasser und Seewasser ist und dass das Züriwasser kein Desinfektionsmittel mehr enthält?





Wasserflöhe als Alarmsystem

Auch zu besichtigen gab es viel: den Grundwasserbrunnen, das Hydrantenlager und die Wasserqualitäts-Testanlage. Dort zeichnet eine Kamera eine Gruppe von Wasserflöhen auf, die in frischem Züriwasser baden. Sobald sich die Tiere eigenartig bewegen oder ganz still werden, gibt das System Alarm und die weitere Ausbreitung des möglicherweise giftigen Wassers wird verhindert. Zu denken gab die Aussage, dass sich die Qualität und der Mineraliengehalt von gekauftem Mineralwasser durchaus mit demjenigen von Zürcher Leitungswasser vergleichen lässt, dass aber der Energieaufwand für die Produktion und Lieferung einer Flasche Mineralwasser etwa 1000 mal höher ist.
Die grösste Gefahr für die Wasserversorgung ist übrigens ein Stromausfall. Dazu steht im Hardhof ein Schiffsdiesel bereit, der im Notfall sicherstellt, dass das Wasser noch in die 21 Reservoire gepumpt werden kann. Mit der Anweisung vom Leiter unserer Führung „suuffed Wasser, soviel er chönd“ verliessen wir das Wasserwerk in Richtung Zürichsee.







Die letzte Ruderbootswerft

Der Bus brachte uns zur Ruderbootswerft "Stämpfli", wo uns Melch Bürgin und seine Crew willkommen hiessen. Ein Apéro stand ebenfalls bereit, und schon vergassen alle die guten Ratschläge aus dem Wasserwerk und gaben sich dem Wein anstelle des Wassers hin. Einige leckere Häppchen halfen zusätzlich, die vergangenen Strapazen des Nachmittags zu überstehen.
Die anschliessende Führung vermittelte uns viel Wissenswertes über den Bau von Ruderbooten. Wir wurden vom mehrfachen Olympiasieger Melch in die Holzboote eingeführt - etwas, wofür die Firma Stämpfli einst weltberühmt war. "Mein ganzer Stolz, ein Boot aus Holz" war der Slogan. Etwa 17kg wiegt ein Skiff (Rennruderboot für eine Person), es besteht aus Tannenholz aus Kanada sowieEsche und Zedernholz für die Planken. Der Bau dauert etwa 110 Stunden. Heute gibt es keine andere Werft mehr, die derartige Holzboote herstellt.
Wir erfuhren auch, dass die Firma beinahe Konkurs ging, da man zu lange zu stolz auf die Holzboote war und daher den Anschluss an die neue Technologie der Kunststoff-Boote verpasste. Melchs junger Partner Dani, der die Geschäftsleitung mit erst 31 Jahren übernehmen wird, zeigte uns dann diese neue Technologie, basierend auf Kunststoffen und Karbon, die in Zusammenarbeit mit den Pilatus-Flugzeugwerken entstanden ist.
Wir erfuhren aber auch von riesigem Enthusiasmus, mit welchem die ganze Crew von Regatta zu Regatta reist, um dort vor Ort die verschiedenen Teams mit Material und Reparaturen zu unterstützen. Es war dieser Idealismus, den man während des ganzen Besuch bei Melch, seiner Frau und Alex spüren konnte und der tief beeindruckte.





Frischer Fisch bei „Fischers Fritz“





Leider (oder glücklicherweise?) war der Wellengang dann für eine praktische Übung auf dem Wasser zu hoch, so dass wir alle trocken (zumindest von aussen) zu „Fischers Fritz“ beim Campingplatz Wollishofen gehen konnten. Der "In Place" präsentierte sich uns bei warmem Frühlingswetter perfekt und unser Platzorchester, formiert aus 4 Mitgliedern der Stadtmusik Kloten, unterhielt nicht nur uns "beautiful Zoifter" bestens, sondern war möglicherweise auch für die sonst anwesenden "beautiful people" ein angenehmer Kontrast zu deren anschliessendem Discobesuch. Das junge Serviceteam funktionierte hervorragend, und die Fischknusperli von „Fischers Fritz“ muss man einfach einmal probiert haben.
Es bleibt nur noch, den Organisatoren des diesjährigen Nachsechseläutens zu danken: eine tolle Mischung aus Information, guten Gesprächen und regelmässiger Verpflegung bei schönstem Wetter. "Züri Wasser" bleibt uns in bester Erinnerung!

28.6.2011, Josef Bösze und Thomas Landolt

 
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