Martinimahl 2011
Zwar wie jedes Jahr, aber immer wieder schön: das Martinimahl der Zunft Fluntern als ein Höhepunkt im zöiftigen Jahr. Nach der traditionellen Begrüssung geht der Zunftmeister kurz auf die Ablehnung der dauernden Integration der Gesellschaft zur Fraumünster in den Sechseläutenumzug durch die Mehrheit der Zünfte ein. „Die Zürcher Zünfte sind aus der Zeit gefallen, also nicht mehr zeitgemäss“, äusserte sich die Zürcher Stadtpräsidentin Corinne Mauch zum demokratisch entstandenen Resultat.
Die Antwort unseres Zunftmeisters: „Frau Mauch irrt sich. Das aktive zöiftige Leben, die vielfältigen interzöiftigen Anlässe oder die Mitgliederzahlen der Zünfte sprechen eine andere Sprache. Was macht die Zünfte so attraktiv? Sie pflegen Traditionen und Freundschaft und sind im staatsbürgerlichen Interesse von Stadt und Kanton Zürich vereint. Es heisst ja, dass man aus den Traditionen lernen muss, um in der Zukunft bestehen zu können. Deshalb sind wir heute Abend in der Tradition des Martinimahles zusammengekommen.“
Traditionsgemäss ehrte Felix E. Müller anschliessend „runde“ und „halbrunde“ Geburtstage, sowie langjährige Zunftzugehörigkeit. Von Letzteren seien nur Nino Mattenberger mit 55 und Werner E. Angst, Eric Brändli und Hans Stäger mit je 50 Jahren Zunftzugehörigkeit erwähnt.
Martinirede des Zunftmeisters
Ehrengast Jörg Zulauf, Zunftmeister der Zunft zur Schneidern mit dem Begleiter Zeugwart Christian Ehrensperger
Der Ehrengast sei nicht nur Zunftmeister, begann der Fluntermer Zunftmeister seine Begrüssung des Ehrengastes, sondern auch Finanzchef der Migros und überreichte ihm seine Cumuluskarte, damit er für seine Einladung die entsprechenden Punkte erhalte. Der Zunftmeister der Zunft zur Schneidern wohne in einer Villa in Thalwil. Als Journalist, so der Fluntermer Zunftmeister, wisse er, dass jede Villa eine Leiche im Keller habe. Und so sei es auch beim Ehrengast, er sei in seiner Jugend Opel Manta gefahren. Nach dem Abschluss der Ausbildung habe er in Korea gearbeitet. Das viele Fliegen sei ihm aber verleidet, da ein Mantafahrer beim Reisen gerne den Ellbogen zum Fenster hinaushalte. Nach einigen Jahren bei Roche sei er schliesslich als Finanzchef bei Migros gelandet. Am meisten Freude bereite ihm die Beteiligung der Migros an der Firma Vögele. Er möchte nämlich das Vögele-Aushängeschild Penelope Cruz näher kennenlernen. Es sei ja das Tragische bei jedem Schneider, dass er das, was er gerne sehen möchte, verhüllen müsse. Darum sei sein Ehrengast bei Vögele und Penelope Cruz für völlige Transparenz.
Der Ehrengast begann seine Rede mit dem Dank für die Einladung. Es geniesse es sehr, als Zunftmeister einer historischen Zunft mit seinem Begleiter Gast im eingemeindeten Teil der Stadt Zürich zu sein und erst noch in der Nähe seines Elternhauses. Dann fuhr er fort: „D‘ Stadt Zürich dörf i de Tat stolz sii und vo Glück redä, dass de Huufä vo Standesriiter, Hoch-wächtler, Grenadiere, Augustiner Chorherre, Stadtbürger und Ausrüfer näbscht dä Linke, Rote, Grüne und Velofahrer au no zu dä Stadt Zürich gehöre tuet.“ Die Zunft Fluntern habe bei ihrer Gründung 1895 mit der Kostümgruppe der Chorherren im zwinglianischen Zürich die heutige Zürcher Mischung von Subkulturen vorweggenommen.
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Die Auswertung der Cumuluskarte des Fluntermer Zunftmeisters habe ihm tiefe Einblicke in dessen Leben ermöglicht, setzte der Ehrengast seine Rede fort. Er habe die vier am häufigsten gekauften Artikel eruiert, nämlich Schreibpapier, Socken, Deodorant und Glückstee. Daraus könne er verschiedene „Mödeli“ im Leben von Felix E. Müller erkennen, sowohl in der Redaktion der „NZZ am Sonntag“ als auch zu Hause in dessem Frauenhaushalt.
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Ehrengast Prof. Dr. Rudolf von Steiger, Obmann der Gesellschaft zu Ober-Gerwern, Bern mit dem Begleiter Dr. Berchtold von Fischer, Beisitzer
„Der Kanton Bern ist Ehrengast am Sechseläuten 2012.“ Dies sei der Grund, eröffnete der Zunftmeister seine Begrüssung, dass die beiden prominenten Berner heute Gäste auf der Fluntermer Zunftstube seien. Sie hätten beide ein „von“ im Namen und seien aus alten Familien, die von Fischer seit 1291 und die von Steiger seit 1447. „Nur die Müller sind älter, denn seit ca. 10‘000 Jahren wird Brot gebacken“ ergänzte der Fluntermer Zunftmeister. |
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Gesellenshow
Die Gesellen boten folgenden amüsanten Querschnitt durch einen durchschnittlichen Schweizer Fernsehabend:
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Ausklang
Gegen Mitternacht wurde der „zweite“ kulinarische Höhepunkt des Martinimahles serviert: Fleischkäse, Püürli und Bier. Mit einem Dank an alle, welche das Martinimahl organisiert und die Zunftstube – mit neuen Dekorations-Elementen – aufgebaut haben und wieder zurückbauen würden, erklärte der Zunftmeister den Anlass für beendet.
André Oprecht / Chronist











