Zunft Fluntern

Nachsechseläuten 2012


Mit den Chorherren in Zug und im Säuliamt

Eine Schar von rund 60 Zünftern mit Begleiterinnen waren um 13 Uhr froh über ihren Regenschutz und das Tramhäuschen beim Zoo, wo man sich begrüsste, küsste, verpflegte und von zwei Zunftgesellen reichlich mit Tranksame versorgt wurde. Später, direkt in Zug, werden sich noch ein knappes Dutzend Zünfter mit ihren Gattinnen hinzugesellen. Trotz der unsicheren Wetterlage war die Stimmung bereits in der Startphase fröhlich und angeregt.



Das erste Etappenziel des Nachsechseläutens 2012 war der Pulverturm in Zug, dessen heutige Mieter ihre Wurzeln im Saubannerzug von 1477 sehen. Aus der damaligen Bruderschaft "vom Thorechten Leben" entstand anlässlich des 500. Jahrestags der „Grosse Allmächtige und Unüberwindlich Rat von Zug“ (GAUR). Das Emblem auf dem Banner des Rates ist ein Eber - umgeben von 44 Eicheln - und entspricht damit dem Original, welches im örtlichen Burgmuseum ausgestellt ist. Dass die heutige Bruderschaft immer noch etwas Saubannerisches im Blut haben muss, bezeugte die grosse Fluntermer Fahne, welche aus dem Hochbaudepartement der Stadt Zürich "requiriert" wurde und für uns die Turmmauer zierte. (Ob der Rat dieses Fahnentuch später wohl wieder zurückgegeben hat?) Die uns empfangenden Zuger "Ratsmitglieder" haben sich in ihr blaues Reisläuferwams sowie den dazugehörenden Federnhut gekleidet. Die Torwächter haben sich aufgrund der Zürcher Gefahr zusätzlich mit Lanzen bewaffnet.


Hier nun teilte sich die Schar der Fluntermer in verschiedene Gruppen auf. Die einen besuchten das Frauenkloster „Maria Opferung“, während die anderen, die sich vom Regen nicht beeindrucken liessen, einen Spaziergang unter der Führung eines Stadtkenners durch die Stadt Zug wagten.

Der GAUR von Zug überbringt jährlich zu Martini dem Kloster „Maria Opferung“ einen Obolus aus dem Ertrag des Pulverturms - dies in Anlehnung an den Zehnten. Diese enge Beziehung war denn auch der Grund, weshalb den Fluntermern ein ausserordentliches Besuchsrecht im Kloster gewährt wurde. Alle Besucher waren denn nach dem knapp einstündigen Rundgang sehr beeindruckt von dem Kleinod, von der Persönlichkeit der Mutter Oberin und ihren faszinierenden Erläuterungen.


Regen, Kälte und beinahe zwei Stunden Fussweg machten die Führung durch die Altstadt etwas herausfordernder. Trotzdem kehrten alle frohgemut zurück und erfreuten sich am wohlverdienten Trunk im Pulverturm. Max Landtwing, der zusammen mit seinem Bruder Kurt und Alois Ithen die Bruderschaft wieder hatte aufleben lassen, lud - in mehreren kleinen Gruppen - zur Turmbesichtigung ein und eröffnete, dass er und seine Ratskollegen seit Jahren als wehrhafte Mannen die „Gesellschaft zu Fraumünster“ am Sechseläuten beschützen. Max Landtwing verabschiedet jeden Fluntermer zu guter Letzt mit einem Fläschchen Kirsch - dem Lokalgetränk, zu dem die folgenden nicht ganz ernst gemeinten Regeln passen:


Frühmorgens der Zuger zu den reifen Kirschen rennt.
Des Abends er sie dann heimlich im Keller brennt.

Lacht der Zuger des Mittags ganz unverhohlen,
hat er nachts dem Nachbar die Kirschen gestohlen.

Wenn der Zuger frühmorgens über den Dachfirst rennt,
dann hatte des Abends sein Kirsch viel zu viel Prozent.


Um 17 Uhr schliesslich verliessen wir Zug, um in der Klosterkirche von Kappel am Abendgebet teilzunehmen. Diese kurze Zeit des Innehaltens wurde abgerundet durch die Organistin Jasmine Vollmer, die für uns fünf Orgelwerke intonierte. Beim letzten Stück, einem Ave Maria, sang die Organistin zu den Tönen der Orgelpfeifen. Dieser besinnliche, für ein Nachsechseläuten eher ungewöhnliche Teil des Anlasses sollte als ein Zeichen seiner Organisatoren, der Chorherren, verstanden werden. 



Nach 18 Uhr stiess auch unser Zunftmeister Felix Müller zu uns. Nach kurzer Fahrt durch das Säuliamt trafen wir beim letzten Etappenziel - der Besenbeiz „Kuhstall“ in Hedingen - ein, die wir bis auf den letzten Platz belegten. Nach dem währschaften und guten Essen begrüsste der Zunftmeister die geladene Delegation des GAUR von Zug und stellte unter anderem neidisch fest, dass die beiden Herren einen kräftigen Nacken hätten, dies wohl wegen der grossen, schweren Halsketten mit noch grösserer Medaille, welche die beiden trugen. Dagegen sei seine Zunftmeisterkette doch etwas gar zierlich ausgefallen. Die Zuger erwiderten das Geschenk - das Fluntermer Buch, das ihnen vom Zunftmeister überreicht wurde - mit einem zierlichen Fläschchen Kirsch mit der Prägung des Schriftzuges des GAUR und des Zuger Wappens. Der Inhalt erfreute etwas später mehrere - darunter vor allem eine Urner- Fluntermer Zöifterkehlen.

Die Grösse der Meringues, die zum Dessert serviert wurden, werden diejenigen, die sie vor sich stehen hatten, wohl nicht so schnell vergessen - das waren wahre Prachtsstücke!





Mit den Erinnerungen an einen interessanten Nachmittag und einen gemütlichen, fröhlichen Abend, aber auch mit gut gefülltem Magen, brachte der Bus die Schar der munteren Fluntermer gegen Mitternacht wieder wohlbehalten nach Zürich zurück. 

Als Abschluss noch ein Wort zum Wetter: Warum auch sollte dieses am Nachsechseläuten schöner sein als am Sechseläuten?

Walter Altherr


 
Zunft Fluntern
  18.06.2013 | Impressum