Martinimahl
Gut gelaunt traf sich die Zunft Fluntern mit Ehrengästen und Gästen in der farbenfroh geschmückten Zunftstube im Kunsthaus. In seiner Martinirede ging Zunftmeister Felix Müller auf den anhaltenden Konzentrationsprozess bei den Printmedien ein. Diese Entwicklung sei bedenklich, da die Medien Informationen transportieren, die die Meinungsbildung beeinflussen und damit auch das Denken und Handeln der Menschen. Die Dominanz eines Verlagshauses ermögliche eine selektive Information, was verhindert werden müsse. Zeitungen seien für die Entwicklung einer Gesellschaft auch in Zukunft unentbehrlich: „Helfen Sie mit, dass die Entwicklung in die richtige Entwicklung geht."
Erster Ehrengast war Dieter von Ziegler, Obherr der Gesellschaft zun Kaufleuten in Schaffhausen mit Beat von Waldkirch als Begleiter. Die Mitglieder dieser Gesellschaft stammen alle von alten Schaffhauser Familien ab. Er sei in der Textilbranche tätig und treibe die Umnutzung der ehemaligen, aus Familienbesitz stammenden Spinnerei Murg tatkräftig voran. Ebenfalls unterstütze er tatkräftig den Tourismus der Region Walensee.
Zweiter Ehrengast war Professor Ernst Hafen, designierter Präsident der ETH, welcher in Fluntern wohnt. In seiner Rede betonte er die Bedeutung der Hochschulen für unsere zukünftige Entwicklung im globalisierten Markt. "Mit der ETH und der Universität haben wir zwei exzellente Hochschulen in Zürich. Wenn die beiden zusammenarbeiten, ist dies ein grosser Standortvorteil von Zürich“. Hoch- und Mittelschulen müssten aber grosse Anstrengungen unternehmen, um im globalisierten Wettbewerb bestehen zu können. So hätte Zürich die Chance, die „Science City“ von Europa zu werden.
Der Zunftmeister überreichte beiden als Geschenk das zweibändige, neu herausgekommene Werk „Das Zürcher Zunftwesen“, bei deren Entstehung der Fluntermer Ehrenzunftmeister Hans Rosenberger tatkräftig mitgewirkt hat.
Das Thema der Gesellenschau war der Kanton Aargau als Gastkanton beim Sechseläuten 2006. Auf humoristische Weise befassten sich die Fluntermer Zunftgesellen - gestützt auf eigene Abklärungen und persönliche Erfahrungen - mit den Clichés, welche die Zürcher von den Aargauern hätten. Das führte vom Bareggstau über die weissen Socken bis zur allwöchentlichen Invasion Zürichs am Samstagabend.
Die Fluntermer Zünfter sind nun gerüstet zur Begegnung mit dem Gastkanton am Sechseläuten 2006. Zum Abschluss ihrer Schau verteilten die Gesellen kiloweise knackige, schmackhafte Aargauer Rüebli und verkauften frisch produzierten Fluntermer Gesellenbrunz.
Nach dem traditionellen Mitternachtsimbiss und dem Schlusswort des Zunftmeisters klang das unterhaltsame zöiftige Martinimahl 2005 gemütlich aus.
André Oprecht, Chronist
