Zunft Fluntern

Die Zunft Fluntern


Die Zunft Fluntern ist heute noch stark mit dem Quartier Fluntern verbunden, wohnt oder arbeitet doch ein Viertel aller Zünfter im Quartier. In einer Zeit, in welcher viele Überlieferungen dem Fortschritt geopfert werden, hält die Zunft Fluntern die Tradition des Zunftwesens in der Stadt Zürich hoch.

Das Zunftwappen zeigt das Wappen von Fluntern: zwei gekreuzte silberne Lilienstäbe auf blauem Grund. Es tauchte erstmals im 12. Jahrhundert als Familienwappen der Edlen von Fluntern auf, welche 1127 als Gründer des Klosters St. Martin erwähnt werden. Das Kloster befand sich im Gebiet des heutigen Zoos Zürich.

Zunftlokal für Sechseläuten und Martinimahl ist der Vortragssaal im Kunsthaus am Pfauen. Als Zunftmusik spielt die Stadtmusik Kloten, welche die Zunft am Sechseläuten begleitet und am Martinimahl zum Konzert aufspielt. Zunftinterne Anlässe werden im Quartierrestaurant am Vorderberg in Fluntern durchgeführt.

Die Hauptereignisse im Zunftjahr: Das Sechseläuten und das Martinimahl

Sechseläuten

Morgens an einem Montag im Frühling versammeln sich die Zünfter historisch kostümiert in der „Zunftstube“, dem festlich geschmückten Zunftlokal. Nach der Begrüssung durch den Zunftmeister und der feierlichen Aufnahme neuer Zünfter werden Reden gehalten. Zuerst durch den Zunftmeister, dann durch die Ehrengäste. Die Reden sollten geistreich, informativ und lustig, keinesfalls aber zu lang sein. Nach dem Konzert der Fluntermer Zunftmusik und dem Mittagessen nähert sich der Höhepunkt des Tages, der Umzug der Zünfte durch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai. Die Ehrengäste, Gäste und Zünfter erhalten während des Umzuges je nach Bekanntheitsgrad und Beliebtheit (bei den Frauen) Blumensträusse und ein Küsschen. Einzelne Zünfter benötigen einen von Ehrendamen gezogenen Leiterwagen zum Transport der farbigen Pracht.

Auf dem Sechseläutenplatz beim Bellevue, dem Ziel des Umzuges, wird Punkt 18 Uhr der Holzstoss, gekrönt durch den mit Knallkörpern angereicherten Böögg, angezündet. Aus der Zeitdauer zwischen Anzünden des Holzes und Explodieren des Böögg-Kopfes wird der je­weils kommende Sommer prognostiziert. Je weniger Minuten, desto schöner der Sommer. Die Prognose trifft manchmal zu.

Nach der Rückkehr in die Zunftstube und dem Nachtessen geht es auf den Auszug. Alle Zünfte – auch die Fluntermer - besuchen drei andere Zünfte. Bei jeder dieser Zünfte hält ein Fluntermer Zünfter eine Rede, mit den gleichen Kriterien wie am Vormittag. Der Zunftmeister bleibt mit seinen Stubenhockern auf der eigenen Stube, empfängt drei Zünfte und muss dreimal eine improvisierte Gegenrede halten; eine hohe Anforderung nach einem langen und anstrengenden Tag. Das ganze tönt kompliziert, ist es auch, funktioniert aber wegen der langjährigen Erfahrung sehr gut. Der Marsch des Auszuges durch die Nacht mit den farbigen Zunftlaternen bildet einen der stimmungsvollsten Momente des Sechseläutens. Vor allem dann, wenn sich auf dem Münsterhof mit prächtiger Sicht auf das beleuchtete Grossmünster oder am engen Limmatquai die marschierenden Zünfte begegnen.

Nach der Heimkehr des Auszuges, gegen Mitternacht, neigt sich das Sechseläuten dem Ende zu.

Martinimahl

Seit dem Frühmittelalter ist Martini ein wichtiger Rechts-, Wirtschafts- und Brauchtermin im christlichen Kalender. An diesem Tag begannen und endeten Dienstverhältnisse, Pacht- und Zinsfristen sowie Besoldungszeiträume. Auch Erntefest ist eine Bedeutung von Martini. Seit dem 14. Jahrhundert werden am Martinstag Gänse verspeist, und auch das Trinken wird nicht vernachlässigt. Das mit den Gänsen stimmt nur noch bedingt, liegt auf dem Teller doch manchmal etwas anderes als Gans.

An einem Samstagabend Anfang November versammeln sich die Zünfter in der Zunftstube zum traditionellen Martinimahl. Neben der Pflege der Geselligkeit unter den Zünftern haben auch an diesem Anlass Ansprachen eine zentrale Bedeutung. Der Zunftmeister spricht meist zu einem politischen oder gesellschaftlichen Thema. Aber auch die eingeladenen Ehren­gäste dürfen eine Rede halten. Es gelten dieselben Regeln wie beim Sechseläuten.

Die Zunftgesellen – zukünftige Zünfter – geben am Martinimahl eine Gesellenshow zum Besten. Themen, welche ironisch, ernst, aber auf jeden Fall lustig „behandelt“ werden, sind zum Beispiel der Gastkanton am kommenden Sechseläuten (2007 ist der Kanton Zug Gast) oder irgendwelche Zunftinterna.

September 2006 / André Oprecht / Chronist

 
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  6.03.2007 | Impressum